Die Weltkrise ist immer auch eine Gesundheitskrise

Im Schatten der Pandemie. medico-Fachforum auf dem Kongress Armut und Gesundheit

Termin: Dienstag, 22.03.23, 13:15 – 14:45 Uhr

Ort: FU Berlin

Zuletzt hat die Covid-19-Pandemie die ungleiche Verteilung von Macht sowie soziale und wirtschaftliche Ausschlussmechanismen auf brutale, oft tödliche Weise offen gelegt. Es war unübersehbar: nicht einmal inmitten einer globalen Gesundheitskrise haben Politik und Wirtschaft ihr „business as usual“ in Frage gestellt – besonders sichtbar wurde dies an der Weigerung die Patente auf Impfstoffe freizugeben.

Doch schon vor dem Ausbruch der Pandemie war die Gesundheit weltweit in eine schwere Krise geraten. Privatisierung, Verschuldung, fehlende Ernährungssouveränität, Extraktivismus. Alle diese Faktoren sind eng verwoben mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem und trugen zur Verschlechterung der Gesundheit bei. Verbesserungen wie gestiegene Lebenserwartungen oder der Rückgang von HIV/Aids drohen durch die Folgen der Pandemie verloren zu gehen. Inmitten einer globalen Klimakrise und bedingt durch den Krieg in der Ukraine wird alles nur noch schlimmer.

Der alternative Gesundheitsreport Global Health Watch untersucht diese Faktoren und nennt Bedingungen, für die Gestaltung einer globalen Weltordnung, die das Menschenrecht auf Gesundheit ermöglichen würde. Zeit, mit den Autor:innen darüber zu sprechen.

Referent:innen

  • Dr. Roman Rafael Vega Romero, Global Coordinator People’s Health Movement, Bogota, Columbia
  • Dian Maria Blandina, People’s Health Movement Indonesia

Moderation

  • Anne Jung, medico international, Frankfurt

Programm und Anmeldung unter

www.armut-und-gesundheit.de

Das 1 x 1 der globalen Gesundheitspolitik

Gesundheits-Fachkräftemangel in Deutschland und Europa – Auswirkungen und Lösungsansätze. Seminar auf dem Kongress Armut und Gesundheit

Beitrag der Deutschen Plattform Globale Gesundheit zu Armut und Gesundheit 2023

Termin: Dienstag, 21.03.23, 16:00 – 17:30 Uhr

Ort: FU Berlin, Henry-Ford-Bau

Format:  Fachforum (drei Inputs mit Nachfragen, Diskussion mit Publikum, 90 min)

Titel:  Das 1×1 der Globalen Gesundheitspolitik: Gesundheits-Fachkräftemangel in Deutschland und Europa – Auswirkungen und Lösungsansätze

Die Debatten und Arbeitskämpfe der letzten Jahre um eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Deutschland und anderen europäischen Ländern haben ihren Ursprung vorwiegend im Mangel an gut qualifiziertem Personal. Diese Problematik wird durch schlechte Arbeitsbedingungen weiter begünstigt. Lösungen für den Fachkräftemangel werden daher oft transnational gesucht, welches an der zunehmenden Abwerbung von Gesundheitsfachkräften entlang globaler ökonomischer und sozialer Unterschiede sichtbar wird. Dies kann relevante negative Folgen für Chancengleichheit im Zugang zu guter Gesundheitsversorgung und guten Arbeitsbedingungen in einer globalen, regionalen und lokalen Perspektive auf Gesundheit haben. Der „WHO Code of Practice on the International Recruitment of Health Personnel“ soll diese Ungleichheiten adressieren und Rahmenbedingungen schaffen, die die Interessen potenzieller Herkunftsländer und der Fachkräfte berücksichtigen. Es stellt sich die Frage, ob der freiwillige Kodex dazu das geeignete Instrument ist. Im Fokus auf nationaler Ebene stehen zudem die negativen Effekte einer weit verbreiteten Kommerzialisierung im Gesundheitswesen, die oft zu einer ineffizienten Verteilung von Fachkräften führt und prekäre Arbeitsbedingungen in den Pflege- und Gesundheitsberufen begünstigt.

In diesem Fachforum sollen Politik-Optionen auf nationalem und internationalem Level diskutiert werden, die die wachsenden Ungleichheiten in der und durch die Arbeitsmigration zu überwinden helfen.

Moderation: Mareike Haase Brot für die Welt / Anne Jung medico international

Referent*innen:

Mousa Othman / Faire Integration: Die Effekte der Anwerbepraxis im Gesundheitswesen auf migrantische Pflegekräfte – Erfahrungen aus der Beratungsarbeit von Faire Integration

Eine zentrale Strategie gegen Pflegekräftemangel im deutschen Gesundheitswesen ist die Abwerbung von Fachkräften aus dem außereuropäischen Ausland. Diese Menschen sind besonders vulnerabel, wenn es um ihre Rechte auf dem Arbeitsmarkt geht. Von dubiosen Praktiken privater Vermittlungsagenturen über mangelhafte Integrationsarbeit im Betrieb zu aufenthaltsrechtlichen Abhängigkeitsverhältnisse gegenüber ausbeuterischen Arbeitgebern. Diese und weitere Erfahrungen aus der Beratungsarbeit des gewerkschaftsnahen arbeitsrechtlichen Beratungsnetzwerks Faire Integration werden in einer kritischen Bestandsaufnahme aufgezeigt.

Karen Spannenkrebs / Vdää: Pillars of health – Europäische Perspektiven auf Gesundheits-Fachkräftemangel und internationale Abwerbung

In der europäischen Region findet ein reger Austausch an Gesundheitsfachkräften entlang ökonomischer Gradienten statt. Besonders die erleichterten Zuwanderungsregelungen, aber auch gezielte Abwerbestrategien einzelner Länder verstärken diesen Trend. Obwohl die meisten Staaten sowohl Herkunfts- als auch Zielland von Migration sind, profitieren auch in Europa vor allem reichere Länder, während ärmere Staaten unter der massenhaften Abwanderung ihrer Gesundheitsfachkräften leiden. Zurück bleiben unterversorgte Gebiete gerade in ländlichen Regionen. Strategien gegen eine Zunahme der Ungleichheit werden diskutiert.

Remco van de Pas / Center for Planetary Health: Die Rolle der WHO und des Code of Practice on the International Recruitment of Health Personnel

Die Umsetzung des (freiwilligen) WHO Code of Practice on the International Recruitment of Health Personnel bleibt unzureichend, die Kriterien nach denen Länder mit Fachkräftemangel von der aktiven Abwerbung ausgeschlossen werden sollen, sind intransparent. Forderungen nach einer Verschärfung des Codes und einer stärkeren Rolle der WHO bei der Überprüfung der Umsetzung des Codes werden vorgestellt und diskutiert

Programm, Ablauf und Anmeldung unter

www.armut-und-gesundheit.de

Health work recruitment in Europe and beyond – Still a crucial matter in Global Health

Panel discussion at the Sidelines of World Health Summit 2022

by the dpgg (German Platform for Global Health), vdää* (Association of Democratic Physicians) and the Pillars of Health coalition.

Monday, 17.10. 2022, 12.30 – 14.00h (lunch break at WHS)

Online session (via Zoom webinar- will be recorded)

Here you can watch the recording:
https://us06web.zoom.us/rec/share/9GcbQNSNd5v4ukT0YZMXFfbBeozHfKEuPHkR8mhhsO0WMpY700hu5RuaafsVAtmN.EhbdZBsiJxUfowsL

Access code: b^+6x.uB

 

To deliver good quality health care, health systems are relying heavily on skilled , well equipped and remunerated Health professionals. Since in many high income countries of the European region and beyond there is a lack of decent employment and trained workforce, international recruitment appears to be the answer for countries that can offer a relatively higher salary. This phenomenon adds to the uneven distribution of health workforce, both in the European region and globally, following economic imbalances.

Twelve years ago, in 2010, the WHO Global Code of Practice on the International Recruitment of Health Personnel was negotiated and adopted, with the purpose to mitigate these negative effects and hold actively recruiting countries to account. In the following years, rich countries like Germany have  expanded their recruitment strategies to mitigate a growing lack of health workforce, while several countries, such as Nigeria and Ghana, struggle with doctors and nurses leaving their health systems.

Left behind are underserved communities, where qualified health workers are missed sorely.

In 2022, international health workforce recruitment remains an urgent but neglected matter in Global Health, that needs to be addressed!

In this online event, questions on the effects of excessive recruitment, the adherence of European countries to the WHO Code of Practice and visions and demands for just labour migration governance  and  regulation are discussed.

Speakers:

Welcome and introduction: Karen Spannenkrebs, vdää, Pillars of health Coalition focal point Germany, DPGG
Moderator: Remco van de Pas, Centre for Planetary Health Policy

Panelists:

Aysel Rahimli , Wemos, Netherlands, Coordinator of Pillars of Health and AHEAD projects; former consultant in Health Workforce unit of WHO EMRO, regional office in Cairo.
on the mobility of health workers across EU’s single market environment.

Abi Badru, Senior Assistant Secretary General of the Nigerian nurses and midwives union; Public Services International Project Coordinator for English-Speaking West Africa
on dangers of HRH recruitment for health systems of source countries and the potential role of unions

Prof. Annette Schrauwen, University of Amsterdam, Professor in European Integration, in particular citizenship law and history.
on possibilities and difficulties in the regulation of Health worker recruitment

We aim to give a stage to critical voices on a neglected topic, that is missing in the official WHS programme.

 

Do we need a pandemic treaty?

A CSO perspective. Preliminary findings of a G2H2 study.

Webinar on 25 October 2021, 16.00-17.30 CEST

Video documentation available on G2H2-Website

While the world is reeling in the second year under the devastating impact of the COVID-19 pandemic, and the Global South finds itself subjected to the new form of global inequality enshrined in the patently flawed vaccine distribution strategy, a new initiative has been spearheaded by the EU leadership, and supported by the WHO Director General and a relatively small group of countries, to negotiate a pandemic treaty for the future pandemic preparedness and response.

The Geneva Global Health Hub (G2H2) is currently mapping this complex proposal and its ultimate goals and implications in the global health governance through a bottom-up research and advocacy project that aims to involve those who have concretely tackled the response to COVID-19 in countries. The study is also discussing the possibility of alternative governance for the right to health, based on the principles of cooperation and solidarity and focusing on some of the structural pathogens leading to the pandemic.

On the sidelines of the World Health Summit in Berlin, the German Platform for Global Health and G2H2 warmly invite you all to join the online presentation of the preliminary findings of the G2H2 study, prior to its formal launch in Geneva in mid-November, ahead of the World Health Assembly Special Session.

In building this research and advocacy activity, we need to take stock of collective reflections and competent dialogues such as this one. Join us!

Program Agenda

Welcome and Introduction
Andreas Wulf, German Platform for Global Health and Geneva Global Health Hub

G2H2 Study Preliminary Results
Priti Patnaik, Founding Editor Geneva Health Files,
Remco van de Pas, Institute for Tropical Medicine Antwerp

Respondents  
Björn Kümmel, Division Global Health, Ministry of Health Germany
Unni Karunakara, Senior Fellow Global Health Justice Partnership, Yale University

Moderator
Victoria Saint, School of Public Health, Bielefeld University

The Pandemic treaty

What if the world was governed like the Allianz insurance company?
Public Lecture by the German Platform for Global Health

Date: Thursday, 24 June 2021

Time: 18 – 20 h

Online : https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_ErVdcyT6Q0uFNupsIfM4PA

The Lecture and discussion will be held in English

 

Title:
The Pandemic treaty: what if the world was governed like the Allianz insurance company?

Guest speaker:
Dr. Remco van de Pas, Institute of Tropical Medicine, Antwerp, Belgium

Facilitator:
Karolin Seitz,Global Policy Forum

The German Government has put its weight behind the proposal of Charles Michel of the EU Council, the Director General of the World Health Organization Dr. Tedros and 20 more heads of states from around the world to discuss and negotiate an international pandemic treaty, or more precisely, a Framework Convention for Pandemic Preparedness and Response.

This is very much in line with the ambition of the German Government to further strengthen multilateral global health governance and health security as outlined in the Global Health Strategy of the German Government, endorsed in October 2020 (see https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/internationale-gesundheitspolitik/global/globale-gesundheitspolitik-gestalten/strategie-der-bundesregierung.html)

The first debates among WHO member states at the virtual World Health Assembly on 24th May have put the decision for such negotiations to another meeting in November 2021, but already now the debate is in full swing and the German Platform for Global Health wants to give some critical analysis and input from a civil society perspective.

We have invited Dr. Remco van de Pas, researcher at the Health Policy Unit of the Institute of Tropical Medicine in Antwerp and a long standing Global Health analyst and activist with Medicus Mundi International and the Geneva Global Health Hub for a Public Lecture on this new proposal to shape the future global preparedness and response to coming pandemics.

While there has been already much geopolitical debate about the content and frame of such a treaty, a crucial question remains neglected. What are the structural issues that have led to the ongoing pandemic in the first place? While the treaty has the objective to enhance preparedness and response for a next pandemic, it may fail to enable the urgent transformation and politics needed to ensure socio-economic wellbeing and ecological restoration.

The treaty is made for a global risk society that tries to minimalize risks of future health emergencies. It takes an insurance type approach, including financial liability instruments, as a safeguard for future risks and damages . Despite all lofty goals, it is hence a much reactive approach, mainly trying to secure and justify the current political status quo including its global injustices.  This has included an ever increasing “multi stakeholder approach” to Global Health Governance. After seeing big philanthropic foundations, private pharmaceutical companies and corporate networks like the World Economic Forum entering the scene, is it now the private insurance model that is shaping the global response to Pandemic preparedness and response?

We hope to have some thought provoking analysis and positions and discuss them with the audience after the lecture.

 

 

Über Corona hinausdenken

Ein Empfehlungskatalog der Deutschen Plattform für globale Gesundheit

Am 30. Januar 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den internationalen Gesundheitsnotstand. Die vielfältigen Folgen der Pandemie-Krise sind weltweit deutlich spürbar. So wichtig eine wirksame Prävention und Therapie von COVID-19 auch sind, rein medizinische und technologische Ansätze greifen zu kurz. Denn der Corona-Ausbruch ist zwar eine neue Herausforderung, zugleich aber auch Ausdruck einer lang bestehenden politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krise. Der Empfehlungskatalog der Deutschen Plattform für globale Gesundheit zeigt verschiedene Dimensionen der Corona-Krise auf und benennt Forderungen, die aus Sicht der Plattform bei ihrer Überwindung unbedingt beachtet werden sollten, will man im Sinne einer Achtung der umfassenden Menschenrechte sowie der Verwirklichung einer bestmöglichen globalen Gesundheit handeln.

Win-win oder Win-lose?

Dokumentation der Fachtagung „Öffentlich-Private Partnerschaften in der Globalen Gesundheit“ der DPGG, November 2019

Globale Gesundheit hat es in den letzten 20 Jahren vom Nischendasein zu einem der zentralen Themen auf der politischen Agenda geschafft. Mit dem Bedeutungsgewinn von Global Health treten aber auch inhaltlich-konzeptionelle Differenzen stärker zu Tage. Am Beispiel von öffentlich-privaten Partnerschaften, die mittlerweile als Modell für die Überwindung globaler gesundheitlicher Herausforderungen staatliche und überstaatliche Ansätze verdrängen, hat die Fachkonferenz mögliche inhärente Interessenskonflikte thematisiert. Wollen Politik, Wirtschaft, Philanthropie und Zivilgesellschaft dasselbe? Welche Probleme produziert die oftmals asymmetrische Zusammenarbeit in Multistakeholder-Initiativen? Und wie ist es um deren Transparenz, Rechenschaftspflicht und Legitimität bestellt? Wir wünschen eine interessante Lektüre.

Das 1 x 1 der globalen Gesundheitspolitik

+++ entfällt +++

+++ Der Kongress Armut und Gesundheit 2020 wurde abgesagt +++ weitere Informationen bei www.armut-und-gesundheit.de

 

Private Interessen und globale Gesundheit – wie geht das zusammen? Seminar auf dem Kongress Armut und Gesundheit auf dem Kongress Armut und Gesundheit 2020, Berlin 08.03.2020

Moderation Frauke Gundlach (Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW))/Deutsche Plattform für globale Gesundheit (dpgg)) und Anne Jung (medico international)

Raum: H 1012

Thema: Globale Gesundheit

Präsentationsart: Seminar

Dauer: 90 Minuten

Globale Gesundheit hat es in den letzten 20 Jahren vom Nischendasein zu einem der zentralen Themen auf der politischen Agenda geschafft. In Deutschland zeigt sich dies unter anderem in der neuen Globalen Gesundheitsstrategie der Bundesregierung. Mit dem Bedeutungsgewinn von Global Health treten aber auch inhaltlich-konzeptionelle Differenzen stärker zu Tage. Diese will die Deutschen Plattform für Globale Gesundheit näher beleuchten. Eine besondere Dynamik ist nicht zuletzt durch die wachsende Bedeutung internationaler Privatstiftungen wie der Bill & Melinda Gates Foundation und die Bildung von so genannten Multi-Akteurs-Foren wie dem Global Health Hub Germany entstanden, die die Gesundheitsdebatte in Deutschland stark prägen. Die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit will das Gesundheitsverständnis der neuen Akteure beleuchten und nach ihrer Prioritätensetzung bei der Lösung globaler Gesundheitsprobleme fragen. Mit dem Fachforum „Das Einmaleins der Gesundheitspolitik – Wie kann Gesundheit gesamtgesellschaftlich gedacht und gestaltet werden?“ bietet die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit (DPGG) eine Einführung in die grundlegenden Fragen und Probleme der Gesundheitspolitik an. Das Format soll eine Orientierung über die komplexen Anforderungen und Verflechtungen der nationalen und globalen Gesundheitspolitik bieten. Das Fachforum richtet sich vor allem an alle Neulinge in der Gesundheitspolitik.

11:00 Uhr

Das Partnerschafts-Paradigma in der globalen Gesundheit

Mareike Haase | Brot für die Welt | Germany

11:20 Uhr

Der Global Health Hub Germany, der Einfluss philanthropischer Stiftungen und andere aktuelle Entwicklungen in Deutschland

Jörg Schaaber | BUKO Pharma-Kampagne | Germany

Anmeldung unter

www.armut-und-gesundheit.de

kongress@gesundheitbb.de

Tel. 030 44 31 90 73

Weltschmerz

+++ entfällt +++

+++ Der Kongress Armut und Gesundheit 2020 wurde abgesagt +++ weitere Informationen bei www.armut-und-gesundheit.de

 

Über den Zusammenhang von Drogenabhängigkeit, Krise und Kapitalismus. Workshops von medico international auf dem Kongress Armut und Gesundheit 2020, Berlin 08.03. bis 10.03.2020

Die weltweite Nachfrage nach legalen und illegalen Opioiden, Kokain und anderen Drogen ist laut UN auf einem Rekordhoch. Fast 300 Millionen Menschen weltweit sind drogensüchtig, Tendenz steigend. So vielfältig wie die Art der Drogen sind auch die Ursachen für deren Konsum. In den USA ist z.B. ist die weiße Mittelschicht des Landes in einen regelrechten Drogenrausch gefallen. An verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln sterben jährlich in den USA geschätzt über 10.000 Menschen, zusammen kommen alle Drogentote dort auf 70.000 im Jahr. Die Einstiegsdroge sind fast immer Schmerzmittel mit abhängig machendem Potential wie Oxycontin oder Tramadol, die nach erfolgreichen Werbekampagnen der Pharmaindustrie von Ärzt*innen schneller und häufiger verschrieben werden zur Therapie chronischer Schmerzen, die durch den Langzeitgebrauch ein hohes Suchtpotential hat. Die Pharmaindustrie macht milliardenschwere Umsätze, die sie auch Millionenstrafen verkraften lassen wie kürzlich gegen Johnson & Johnson.

Neben der Rolle der Pharmaindustrie gilt es die Pathologien des global-kapitalistischen Systems in den Blick nehmen. Die Unsicherheiten angesichts der krisenhaften Erscheinungsformen im Kapitalismus verstärken die Notwendigkeit, jederzeit flexibel und zeitlich unbegrenzt zu funktionieren. Dabei hilft eine Mischung aus dämpfenden Mitteln und Medikamenten zur (kurzfristigen) Leistungssteigerung und  „Gehirndoping Beschleunigungsphänomene zu ertragen, Krankheiten wegzudämmen und damit auch die Ängste vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Oder die Aussichtslosigkeit, einen zu bekommen. Phänomene, die in den Ländern des globalen Südens eine existenzielle Zuspitzung erfahren: Die WHO weist darauf hin, dass extreme Armut und Ungleichheit massiven Stress auslöst und Drogenkonsum oft als einzige Möglichkeit dieses Spannungsverhältnis zu ertragen gesehen wird. Dies sei – so die Weltgesundheitsorganisation – eine zentrale Ursache für den dramatischen Anstieg von Opioidsüchtigen in den Ländern des Südens. Die unwürdigen und oft lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen haben, die völlige Perspektivlosigkeit z.B. im Alltag von Flüchtlingslagern, hat zu einem exorbitanten Anstieg beim Konsum von Schmerzmitteln, geführt, die oft eine kostengünstige und leichter sozial zu integrierende Alternative zu den klassischen illegalen Drogen sind. Die Betroffenen bleiben mit den Folgen der Suchterkrankung oft alleine, es herrscht großer Mangel an professioneller, psychiatrisch-medizinischer Betreuung in fast allen Ländern des Südens.

Paradoxerweise ist in diesen Ländern im „offiziellen“ Gesundheitssystem trotzdem die Verfügbarkeit von Schmerzmitteln zur Behandlung von schweren Schmerzen bei Krebserkrankungen und in der Palliativmedizin oft sehr gering, da die internationalen Kontrollen für die Medikamente eine sichere Beschaffung oft verunmöglichen. Diese Debatte hat eine Kontroverse ausgelöst, in deren Folge die WHO ihre Richtlinien zum Gebrauch von Morphium in der Schmerztherapie und in der Palliativmedizin nach Intervention aus den USA kürzlich zurückgezogen hat. Die Frage guter Versorgungssicherheit muss daher auch hier immer mit berücksichtigt werden.

Diese vielschichtigen Facetten des Zusammenhangs von Drogensucht, Krise und Kapitalismus werden auf den diesjährigen medico Panels bei Armut und Gesundheit debattiert.

9.3.2020 – 13:45-15:15 Uhr

Panel 1 – Deregulierung und Drogensucht

Süchtig nach Schmerzmitteln. Die Opioidkrise und die Pharmaindustrie – Carmen Butta, Hamburg, Journalistin und Regisseurin

Zwei Seiten der gleichen Tablette: Überversorgung und Unterversorgung von Schmerzmitteln  – Dr. Tania Pastrani, Kolumbien und Aachen, Präsidentin der Lateinamerikanischen Gesellschaft für Palliative Care (angefragt)

Moderation: Anne Jung, Frankfurt, Gesundheitsreferentin medico international

9.3.2020 – 15:45-17:15 Uhr

Panel 2 – Den Weltschmerz ertragen

(diese Veranstaltung findet in englischer Sprache statt!)

Gewalt, Drogensucht und die Ökonomie des Flüchtlingslagers – Zafer Khateeb, Beirut, Präsident von Nashet, Ein el Hilweh Camp, Saida, Libanon

Schneller, höher. Weiter. Selbstoptimierung und Depressionen in der kapitalistischen Leistungsgesellschaft – Dr. Greta Wagner, Universität Frankfurt, Exzellenzcluster Normative Orders

Moderation: NN

Anmeldung unter

www.armut-und-gesundheit.de

kongress@gesundheitbb.de

Tel. 030 44 31 90 73

Win-win oder Win-lose?

Öffentlich-Private Partnerschaften in der Globalen Gesundheit

Fachkonferenz der Deutschen Plattform für globale Gesundheit

11. November 2019, 15.30 – 20.00 Uhr

Hotel Aquino Tagungszentrum Katholische Akademie, Hannoversche Str. 5b, 10115 Berlin-Mitte

Globale Gesundheit hat es in den letzten 20 Jahren vom Nischendasein zu einem der zentralen Themen auf der politischen Agenda geschafft. In Deutschland zeigt sich dies unter anderem in der neuen Globalen Gesundheitsstrategie der Bundesregierung und dem kürzlich gegründeten Global Health Hub Germany. Mit dem Bedeutungsgewinn von Global Health treten aber auch inhaltlich-konzeptionelle Differenzen stärker zu Tage. Diese will eine Fachkonferenz der Deutschen Plattform für Globale Gesundheit näher beleuchten. Weiterlesen