Berücksichtigung sozialer Determinanten von Gesundheit in der neuen globalen Gesundheitsstrategie Deutschlands: Empfehlungen der Deutschen Plattform für globale Gesundheit

Nur fünf Jahre nach der Verabschiedung des ersten globalen Gesundheitskonzeptes erarbeitet die Bundesregierung derzeit ein neues Strategiepapier zur Umsetzung einer kohärenten globalen Gesundheitspolitik. Gesundheitsexpert*innen hatten schon bei der der ersten Strategie von 2013 darauf hingewiesen, sie könnte in der vorliegenden Form keinen durchgreifenden Beitrag zur Lösung globaler Gesundheitsherausforderungen leisten, da es vor allem im Hinblick auf die gesellschaftlichen Faktoren von Gesundheit umkonkret und wenig aussagekräftig blieb. Zudem kamen die für globale Gesundheit überaus relevanten Fragen von gesundheitlicher Ungleichheit in Deutschland und der Welt ebenso wenig zur Sprache wie die Defizite bei der universellen Absicherung von Migrant*innen, Flüchtlingen und Sans-Papiers.

Seit der Veröffentlichung des ersten Global-Health-Konzepts weist die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit (DPGG), ein interdisziplinärer, breiter Zusammenschluss von Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftler*innen aus der nationalen und internationalen Gesundheitspolitik. immer wieder auf auf die vielfach nicht hinreichend beachteten, nicht-medizinischen Determinanten von Gesundheit hin, deren vorrangige Betrachtung eine unerlässlich Voraussetzung für einen effektiven Beitrag der Bundesregierung zur Weltgesundheit darstellt. Die wachsende Rolle Deutschlands in der globale Gesundheitspolitik erfordert mehr denn je eine multidisziplinäre, kohärente Politik zur Verbesserung der Gesundheit der Menschen weltweit. Die Fokussierung auf gesundheitliche Bedrohungspotenziale und technologische Lösungen greift zu kurz, und die Unterstützung und wachsende Bedeutung der Global Player aus Wirtschaft und Philanthropie durch die Bundesregierung bringt die Gefahr mit sich, das private Prioritäten und Verwertungsinteressen die Gesundheit auf der Welt von einem Menschenrecht in eine Ware verwandeln.

In dem Beitrag „Addressing upstream determinants of health in Germany’s new global health strategy: recommendations from the German Platform for Global Health“ im BMJ Global Health 4 (2) fordert die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit die wesentliche stärkere Berücksichtigung gesellschaftlicher Einflussfaktoren in der globalen Gesundheitspolitik.Holst Addressing_Upstream_Determinants_of_Health_in_Germany’s_New_Global_Health_Strategy

Große Spender für den kleinen Pieks

Mit Impfungen lassen sich viele Leben retten, denn sie schützen nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Allgemeinheit. Sie helfen, die Ausbreitung von Krankheitserregern einzudämmen und Seuchen auszurotten. Für den globalen Schutz vor Infektionskrankheiten ist eigentlich die Weltgesundheitsorganisation verantwortlich. Doch ihre Finanzkraft sinkt seit Jahren beträchtlich. Zunehmend springen private Geldgeber in die Bresche, so auch in der „Globalen Allianz für Impfstoffe und Impfungen“ (GAVI), mittlerweile größter Financier von Impfsstoffen in armen Ländern. Impfungen passen perfekt in das Konzept des heutigen Wohltätigkeitskapitalismus, der in steigendem Maße die Entwicklungszusammenarbeit bestimmt. Die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit kritisiert diesen Trend, denn sie befürchtet nicht nur ein Sammelsurium von Einzelprojekten, sondern vor allem eine zunehmende Ausrichtung der internationalen Zusammenarbeit an den Interessen der Sponsoren. In der Oktoberausgabe 2015 veröffentlichte das Magazin „Gesundheit und Gesellschaft“ des AOK-Bundesverbands einen Beitrag, der die Impfallianz GAVI vor dem Hintergrund unerwünschter Auswirkungen auf die armen Länder des Südens und die internationale Gesundheitspolitik beleuchtet.

Jens Holst – Große_Spender_für_den_kleinen_Pieks